Über Sansibar hinwegfliegen, eine Kurve um Dar Es Salam und die Luft anhalten. Landen, Aussteigen, Palmen, warmer Wind, Tropensonne.
Die ersten paar Tage wurden wir in einer Herberge der Katholischen Kirche in der Vorstadt von Dar untergebracht. Das Gelände war ummauert, inkl. Watchmen mit geladenem Jagdgewehr. Rundherum erstreckten sich eng an eng Blechhütten und Palmen in alle Himmelsrichtungen. Ein gelungener Kulturschock.
Wir haben Suaheli geübt und die ersten Sätze gleich in der Umgebung ausprobiert; Handykarte kaufen und registrieren, Essen kaufen und Bier bestellen.

In Tansania wird fast der gesamte Personenverkehr von kleinen privaten Unternehmen geführt. Für Kurzstrecken sind die Dala-Dala´s zuständig, Kleinbusse und Van´s, die bis zum Brechen voll mit Menschen gefüllt werden und dann auf Reise gehen. Für längere Strecken sind Reisebusse die erste Wahl, man hat zwar nicht mehr Platz, ist aber schneller Unterwegs.
Die Enge und das Gedränge in den Bussen lässt sich aber mit den Süßigkeiten, geschnittenen Orangen und gekochten Eiern ertragen, die man alle halbe Stunde unter den Busfenstern kaufen kann. Man kann so ziemlich alles, was man brauch Unterwegs kaufen.
Nach der Eingewöhnungsfase sind wir nach Norden in die Usambara-Mountains gefahren, wo sich die Gruppe nach 4 Tagen aufgelöst hat, und jeder zu seinem Einsatzort weitergereist ist.
Unterwegs sieht man alles, von den Lehmhütten der Maasai in der trockenen Steppe, über riesige Sisal- und Orangenplantagen bis zu tropischen Wäldern und kleine Affen in den fruchtbaren Bergen. Überall kriechen Eidechsen und beim Wandern kaut man auf der Zuckerrohrstange rum, die man zuvor für umgerechnet 5 Cent auf dem Markt gekauft hat.
Vunta, mein Einsatzort liegt abgelegen und unschuldig in den Pare-Bergen. Die Serpentinen lassen sich nur mit Motorrad oder Jeep bezwingen, da die Straße uneben und steil ist. Man wird aber mit einer atemberaubenden Aussicht über die große Maasai-Steppe belohnt. Die Straße führt weiter in die Berge, bis Vunta sich dann als eine Ansammlung von Lehmhäusern zu erkenn gibt.
Da es keinen Strom gibt, gewöhnt man sich sehr schnell daran, zum Sonnenaufgang um 6 Uhr aufzustehen, und spätestens 1-2 Stunden nach dem Untergang um 7 Uhr zu Bett zu gehen.
Mein Haus verfügt über einen Wasseranschluss mit Trinkbarem, klarem Wasser.
Die meisten Menschen in den Pare-Bergen zählen zu dem Pare-Stamm, die ihre ganz eigene Kultur und Sprache haben. Kiswahili wird ursprünglich nur von einem Stamm an der Küste gesprochen, und wurde erst mit den arabischen Karawanen und später in der Kolonialzeit im ganzen Land verbreitet. Deswegen hat jeder der anderen unzähligen Stämme seine eigene Sprache, die bei den meisten auch noch aktiv angewendet wird.
Was aber für alle Stämme, einschließlich dem des Pare-Volkes, zählt, ist die Gastfreundschaft und die direkte Art miteinander umzugehen. Nicht nur als Weißer wird man oft zum Abendbrot, die wichtigste Mahlzeit des Tages, eingeladen. Es gehört dann zum guten Ton sich reichlich zu bedienen und mindestens 1 Mal nachzufüllen, auch wenn man schon von 2 anderen Einladungen kommt…

Was auch auffällt, ist, dass das Durchschnittsalter weit unter dem westeuropäischer Staaten liegt, und wirklich alte Menschen eher selten anzutreffen sind. Der Teufel steckt im Detail, in Tansania vor allem die Armut. Die Lehmhäuser lassen die Menschen ärmer aussehen, als sie sind. Es reicht aber noch lange nicht für Medikamente aller Art oder um sich gegen Krankheit und Ernteausfall zu versichern. Es lässt die Menschen hier in Massen in die Gotteshäuser strömen. Der Gottesdienst gestaltet sich Bunt und voller Gesang und zieht sich immer über mehrere Stunden hin. Trotzdem macht es Spaß dem beizuwohnen.
Meine Arbeitszeit kann ich mir selber einteilen. Ich arbeite 5 Tage die Woche, wo ich dann Solarlampen repariere und mich um die Baumschule direkt neben meinem Haus kümmere. In der nächsten Zeit werde ich damit anfangen der secondary school des Ortes in deren Umweltclub assistieren. Sobald mein Suaheli ausreicht, werde ich unter dem Dach der Solarwerkstatt auch noch Beratung für größere Solaranlagen anbieten. Die Nachfrage ist spürbar, da es in den gesamten Pare-Bergen keinen Strom gibt.
Wenn ich Wochenende habe, fahre ich nach Same oder weiter nach Mwanga, wo andere ihre Stelle haben. Wir treffen uns dann und übernachten zusammen bei einem von uns. Am Sonntag fahre ich dann wieder nach Vunta, jedoch nicht ohne vorher in Same auf dem Markt gewesen zu sein. Alles, was man an Lebensmittel mit Afrika verbindet, lässt sich hier finden. Ananas, Bananen, Erdnüsse, Orangen, Papaya, Mango, Kokosnüsse, und viele andere, die man in Europa nie zu sehen bekommt.

Tansania macht seine Armut in der Staatskasse mit der Vielfalt seiner Kulturen wieder wett. Die bunten Tücher der Frauen, den Kangas, den sie zu jeder Tageszeit benutzen, um sich komplett einzukleiden, und die überall das Straßenbild prägen, werden hier auch nur von einer Sache überboten: The Coca-Cola-Company.